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Geschichten

Vom Ankerbrotfabrikmaler

In der Arbeitslosenzeit soll es auf dem Laaerberg einen Kunstmaler gegeben haben. Der hat, erzählt mir der, der mir von ihm erzählt, immer nur die Ankerbrotfabrik gemalt. Die Ankerbrotfabrik von der Absberggasse, die Ankerbrotfabrik von der Urselbrunnengasse. Die Ankerbrotfabrik aus den Schrebergärten, die Ankerbrotfabrik von den Lagerplätzen.

Und dabei ist die Ankerbrotfabrik, erzählt mir der, der mir vom Laaerbergmaler erzählt, vom Ankerbrotfabrikmaler, dabei ist die Ankerbrotfabrik schiach wie die Arbeit darin. Wie eine Raubritterburg steht sie da, wie ein Spukschloß aus längst vergessenen Zeiten. Und sie sei ja auch eine Art Spuk, die Ankerbrotfabrik, wie sie so dastehe. Ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen die Raubritterburgen noch nicht so gut getarnt gewesen wären wie heute.

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Vom Schrebergartenlabyrinth (für Gerd Jonke)

Er sei eingeladen gewesen, erzählt mir einer, in einen Schrebergarten. Nämlich den Schrebergarten eines Bekannten, dessen größte Freude sein Schrebergarten gewesen sei. Weswegen der ihn auch eingeladen habe in seinen Schrebergarten zum Wochenend. Eingeladen, damit er teilhabe an seiner Schrebergärtnerfreude. Und sie würden, so habe er sich das gedacht, beisammen sitzen auf der Schrebergartenbank vor der Schrebergartenhütte. Wenn die Sonne scheine, würden sie in der Sonne beisammen sitzen. Und wenn es regnen sollte - auch kein Malheur. Wenn es regnen sollte, würden sie sich halt in die Schrebergartenhütte hineinsetzen. So habe er sich das gedacht. Jedenfalls sei es in so einem Schrebergarten gesund und vergnüglich. Und hätt ich nicht geschrebert/ wer weiß, ob ich noch lebert, diesen Spruch kennen Sie doch bestimmt. Vergnüglich und gesund sei es in einem Schrebergarten, und er hätte also teilhaben sollen an dieser Gesundheit und diesem Vergnügen. Und er habe sich auf das Wochenend im Schrebergarten seines Bekannten gefreut mit einer richtigen Vorfreude.

Er und sein Bekannter, so habe er sich das gedacht, würden sich im Schrebergarten Beschäftigung suchen. Und sicherlich würde die nicht schwer zu finden sein, in einem Schrebergarten gibt es doch immer etwas zu tun. Unkraut zu jäten zum Beispiel, Blumen zu pflanzen. Oder eine Hecke zu stutzen oder Obst zu ernten oder Laub zu verbrennen. Und vielleicht würde die Frau seines Bekannten derweil eine appetitliche Jause herrichten. Zum Beispiel Schmalz- oder Speck- oder Bratenfettbrote. Und dann, nicht zu spät, würden sie sich alle drei ausruhen bei einem gemütlichen Plauscherl. Und am End würden sie eine Flasche Wein aufmachen und miteinander in die Dämmerung hinein trinken.

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Zweite Schrebergartengeschichte

Nein, fällt ihm gar nicht ein, sagt der Schrebergärtner. Auf der einen Seite die Schnellstraße, auf der anderen Seite die Autobahntangente, gut, das kann er nicht verhindern. Und vielleicht versuchen sie ihn völlig einzukreisen mit ihrem Verteilerkreis. Aber hier, in der Mitte der Welt, das ist sein Eigengrund, den läßt er sich nicht wegnehmen.

Haben Sie, fragt er, von den BLACK HILLS gehört? Das sind die heiligen Berge der Sioux-Indianer drüben in Amerika. Die hat man ihnen auf die gemeinste Weise weggenommen, davon hat er gelesen. Aber jetzt prozessieren sie, jetzt wollen sie ihre angestammten Jagdgründe wieder zurückhaben, das findet er großartig.

Er allerdings wird es nicht so weit kommen lassen. Zwar hat er manchmal schon das Gefühl, daß ihm die Autos durchs Rettichbeet hinter dem Haus brausen, aber er ist entschlossen, standzuhalten. Die Rosen hat er erst vorige Woche gesetzt, obwohl es dazu natürlich reichlich spät im Jahr ist. Und für die Gartenzwerge an der Vorderfront hat er gestern Nachschub angefordert, die sollen ein dichtes Spalier bilden.

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